Helden der Nacht Juli

Helden der Nacht: Andy &Martin – SUNSET BEACHFESTIVAL

Helden der Nacht: Andreas Kleimann & Martin Königsmann

Sunset Beach Festival

 

Ihr seid beide schon lange im Dance-Business aktiv. Als Booker, DJ, Veranstalter und Techno-Redakteur. Wie und wann habt ihr euch kennengelernt und wann habt ihr beschlossen zusammen zu arbeiten?

ANDY: Martin hatte damals Moguai, Phil Fuldner, Ante Perry usw. im Booking und Management betreut und in meiner Funktion als DJ Redakteur bei der Raveline hatten wir dadurch Kontakt, wenn es um Interviewanfragen usw. ging. Irgendwann hat sich dann hier in Haltern, die Gelegenheit ergeben, am Silbersee Open Air Partys zu machen. Dann kam die Gelegenheit an den Halterner Stausee zu wechseln. Ursprünglich fanden hier die sogenannten Seetage statt. Da es aber zehn Jahre hintereinander bei diesen Veranstaltungen geregnet hat, hatten die Sponsoren irgendwann keine Lust mehr und ich habe direkt Martin angerufen. Ich meinte nur: „Wenn wir hier die Zügel in die Hand nehmen, gibt’s kein Regen mehr. Da läuft das!“

Wieso der Name Zeitgeist Entertainment? Was steckt dahinter und was genau macht ihr bzw. wen betreut ihr?

ANDY: Zusätzlich zum „Sunset Beach“ betreiben wir noch vier Gastronomien und Martin ist Inhaber der Künstleragentur SWINQUE. Um komplett abgesichert zu sein haben wir daher eine eigene Firma gegründet, die sich hauptsächlich um die Belange des „Sunset Beach Festivals“ kümmert.

MARTIN: Generell sind wir zu viert bei Zeitgeist Entertainment und jeder hat dann so seine Aufgabe: Andy und ich machen die Geschäftsführung bei der Zeitgeist. Das Festival ist der Hauptgrund, warum es die Firma Zeitgeist gibt. Es ist uns auch wichtig, dass man im Namen quasi eine gewisse Unternehmensphilosophie erkennen kann. Wir buchen die Künstler immer circa 9-10 Monate im Voraus und da ist es bei weniger bekannten Künstlern oft schwer, vorherzusehen, wie erfolgreich diese zum Zeitpunkt des Festivals sind. Früher haben wir oft Wetten abgeschlossen, da manche Künstler beim Zeitpunkt der Buchung nur einen Hit hatten und keiner wusste, wie sich diese weiterentwickeln. Auch in diesem Jahr haben wir wieder intern eine „Wette“ laufen – mit „YouNotUs“ und deren neuer Single „Narcotic“.

ANDY: Wir sind beide große House-Fans und ordnen uns daher auch eher im House Bereich ein. Das ist der Grund, warum wir heute hier sind. Musikalisch startet das Festival um 17 Uhr mit DeepHouse und groovigem House, geht dann über von House zu TechHouse und Techno. Zwischen 21:30 -22:00 Uhr ist Headliner-Zeit und das ist auch der Zeitpunkt, wenn die Sonne direkt hinter der Bühne untergeht. Das sind eigentlich immer die bewegenden Momente und die coolste Phase am Tag. Wir versuchen immer, den Besuchern eine gewisse Bandbreite zu bieten und durch den Aufbau einen musikalischen Spannungsbogen rein zu bekommen. Nach Zeitgeist eben.

Als alte Hasen im Business und mit dem Einblick in verschiedene Geschäftsbereiche der Branche – was sind die einschneidenden Veränderungen der vergangenen Jahre für euch?

Helden der Nacht - Martin Königsmann Andreas Kleimann

Credit: Noel Bontikous

ANDY: Also ich finde, dadurch, dass wir beide die 90er relativ gut miterlebt haben, kann man es ganz gut vergleichen. In den 90ern war alles groß, alles „Rave“ und dann war das alles auf einmal weg und es gab nur noch Clubs. Und jetzt ist es wieder alles anders herum, jetzt gibt es nur Festival und alles ist supergroß. Clubs gibt es nur noch in den Metropolen. Es ist einfach allgemein unmöglich geworden, als Club – egal mit welchem Booking – Zahlen zu schreiben, besonders im Bereich Techno und House.

MARTIN: Grundsätzlich hat das Streaming dazu geführt, dass der Live-Bereich immer wichtiger geworden ist und auch die Einnahmequellen für Künstler auch hauptsächlich im Live-Bereich und nicht mehr im Tonträger-Bereich liegen. Auch die musikalische Entwicklung hin zum EDM-Sound, der eindeutig ein Festival-Sound ist, hat sich verändert. Diese Clubkultur ist weggebrochen. Bei Festivals wollen die Leute eher entertaint werden und die Musik steht nicht an erster Stelle. Das ist auch eine Veränderung. Und bei uns erzählt die Musik eine Geschichte und gibt dem Besucher das Erlebnis, das er haben will.

ANDY: Genau, alles muss maximal sein. Wir haben uns ein bisschen besonnen. Klar, wir haben auch noch einen Headliner aber wir heben auch die Location hervor und das ist auch genau das, was wir versuchen den Leuten nah zu bringen und darin liegt auch der Kern des Erfolges.

Viele Clubs haben es aufgrund mehrerer Faktoren aktuell sehr schwer, was zu diversen Schließungen führt, besonders in NRW. Wie seht ihr die Chancen, Clubs für elektronische Musik mit wöchentlichem Programm aufzubauen? Möglich oder unmöglich und wieso?

ANDY: Es ist zumindest nicht leichter geworden. Also ich habe den höchsten Respekt vor Club-Betreibern, die jede Woche in ihrem Laden stehen, Veranstaltungen machen und musikalisch etwas auf die Beine stellen. Ein Problem ist, dass die Clubsaison immer kürzer wird, da alle nach draußen wollen und nur auf Festivals warten, sobald das Wetter besser wird.

ANDY & MARTIN: Also von uns brauch keiner einen Club erwarten, wir bleiben am Strand! (lacht)

Was steht in diesem Jahr bei euch an Highlights an?

ANDY: Ich habe ein Haus gebaut, ich zieh um. (lacht)
Wir arbeiten hier am Festival Konzept weiter und wollen auf zwei Tage gehen. Wobei zwei Tage nicht heißt zwei Tage elektronisch. Wir würden das Ganze gerne noch um ein bis drei Konzerte mit ein paar bekannten Livekünstlern erweitern und somit noch mehr Diversität rein bekommen.

Martin: Wir haben eine Menge Ideen und Konzepte, auch kleinere Sachen, weil wir uns hier in die Location verliebt haben. Für mich ist es wie Urlaub hierher zu kommen und uns fällt unterschwellig auf, wie wir uns immer mehr hierauf fokussieren. Das hier ist unsere Herzensangelegenheit. Ich freue mich auf jeden Fall auf dieses Jahr „Sunset Beach“ und auf das nächste Jahr und natürlich hoffentlich auf ganz viele weitere Jahre.

Welche Veranstaltung war sehr einschneiden in eurer Karriere? Und warum?

MARTIN: Ich habe damals die 1LIVE Rocker und Freunde Veranstaltung gemacht, damals mit Moguai. Das war als sich 1LIVE von elektronischer Tanzmusik verabschiedet hat. Zusammen mit dem Sender haben Moguai und ich dann das Konzept „Rocker“ entwickelt. Insgesamt haben wir etwas Riesiges auf die Beine gestellt und ich persönlich war ein Teil davon. Da habe ich gemerkt: „Wow, da habe ich Bock drauf. Das ist genau mein Ding.“
2010 in Duisburg war dann so die Kehrseite der Medaille. Das war ein ganz einschneidendes Erlebnis. Wir waren ausverkauft und dann sagen auf einmal die drei Headliner ab. David Guetta, Fedde Le Grand und Mark Knight. Damit musst du dich dann erst mal auseinandersetzen. Ich war damals so stolz auf das Team und die Künstler, die dennoch alles gegeben und abgeliefert haben. Das war einschneidend im Positiven und natürlich im Negativen. Alles in allem eine krasse Erfahrung.
Und dann kommt auch schon das Sunset Beach Festival. Innerhalb von sechs Jahren aus dem Nichts aus dem Boden gestampft. Und jetzt sitzen wir hier. (lacht)

ANDY: Das waren direkt die ersten beiden Veranstaltungen, die ich gemacht habe. Eine in Bochum und eine in Essen. Ich war damals noch Auszubildender und hab beide Veranstaltungen so gegen die Wand gefahren, dass ich direkt am Anfang meiner Karriere einen mittleren vierstelligen Betrag lange und hart habe abarbeiten müssen. Das war für mich ein langfristiges Learning zum Thema Risikoeinschätzung. (lacht) Das war die eine Sache. Die andere Sache war die Hochzeit meines besten Freundes. Es gab einen Terminclash mit zwei Terminen. Da hatte ich zusammen mit meinem Kumpel Felix den Fritz Kalkbrenner mit einem Doppelbooking in Essen und Köln. Ich musste dann um vier Uhr von Haltern, wo die Hochzeit war, nach Köln wo wir noch lange weitergefeiert haben. Ich bin am nächsten Morgen dann im Zug in Holland wieder aufgewacht. (lacht)

 

SHORTCUTS FÜR MARTIN & ANDY

Sunset Beach Festival 2018

Credit: Sunset Beach Festival 2018

Erster gekaufter Tonträger

MARTIN: Depeche Mode – People are People
ANDY: Depeche Mode – Violator

Erster besuchter Techno-Club

MARTIN: Groove Club, Gelsenkirchen (1993)
ANDY: Tresor, Berlin

Erstes besuchtes Festival

MARTIN: Nature One
ANDY: Nature One

Lieblings-Club

ANDY: Dockland und Fusion, Münster
MARTIN: Tribehouse, Neuss

Lieblings-Event-Location

MARTIN: Delta Musikpark, Essen (ehem. Mudia Art)
ANDY: Am blauen See, Ratingen

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