Helden der Nacht –Felipe Pineros(Blank/Heidelberg)

Felipe, wie bist du zur elektronischen Musik gekommen?

Ich bin in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá geboren und aufgewachsen. Vor einigen Jahren kam ich dann zum Studieren nach Deutschland – zuerst nach Mannheim und dann nach Heidelberg, und irgendwie bin ich dann einfach hiergeblieben. Ich liebe es hier, und insbesondere die Region um diese beiden Städte ist mein Zuhause geworden. Ich war schon immer ein großer Musikfan, habe immer sehr viele Konzerte und Musikevents besucht und natürlich auch sehr viel Musik gesammelt. Ein paar Jahre nach meiner Ankunft in Deutschland, als ich besser Deutsch sprach und mich in der Musikszene in Heidelberg/Mannheim endlich heimisch fühlte, fing ich an, mit einem Freund zusammen kleine Underground-Konzerte zu organisieren. Fasziniert von der lokalen Jungle- und Drum’n’Bass-Szene habe ich kurz danach auch angefangen, meine ersten kleinen Raves zu promoten. Dann kam alles Schlag auf Schlag. Ich begann selber aufzulegen, danach habe ich mit Freunden eigene Eventreihen kreiert, ein Label gegründet, unzählige große und kleine Events organisiert und vieles mehr. Mittlerweile habe ich in so ziemlich jedem Ort hier in der Region schon etwas organisiert und bin bis heute noch überall hier aktiv. Es macht einfach so viel Spaß!

 

Gab es bei dir eine Initialzündung, die dafür gesorgt hat, dass du im Bereich der elektronischen Musik arbeiten wolltest?

Mannheim und Heidelberg sind, wie man weiß, seit jeher die Hochburgen für Jungle und Drum’n’Bass in Deutschland. Sehr bald nachdem ich hierherkam, war ich von der Energie dieser Szene, der Vielfalt ihrer Musik, den bunten Poster-Designs, von all diesen riesigen Raves und den unglaublichen Lichtshows, den Ravern und einfach diesen mächtigen Basslines komplett fasziniert. Kurz daraufhin habe ich auch noch die CUBE-Partys von Move D und seiner Crew in all diesen Off-Locations erlebt, und danach wusste ich es genau: Ich will selber auch solche unvergesslichen Momente für andere Leute kreieren.

 

Mit welchem Job hat alles angefangen?

Ich habe schon früh in Musikkneipen, Clubs und Konzert-Locations als Barkeeper, Technikbetreuung, Aushilfe oder was auch immer gearbeitet, weil ich immer schon in der Nähe vom dem sein wollte, was ich liebe: Musik. Und da kam ich ziemlich schnell mit den richtigen Leuten in Berührung: DJs, Veranstalter, Techniker, Clubbesitzer, etc. Die Entwicklung zu dem, was ich heute mache, ergab sich dadurch sozusagen komplett organisch. Ich bin einfach alles DIY angegangen und habe mir alles selbst beigebracht. Ich habe weder eine Ausbildung als Techniker noch als Eventmanager, sondern habe einfach alles richtig oldschool selber gemacht!

 

Was war denn die geilste Party, die du je erlebt hast?

Oh, da gab’s wirklich soooo viele … Vielleicht ein paar aus der letzten Zeit. Zum Beispiel unsere Blank-Party zusammen mit dem Queer Festival im Karlstorbahnhof Heidelberg im letzten Mai, wo wir Peggy Gou (Foto) zu Gast hatten. Wir waren in dem kleinen Clubraum oben, der eigentlich nur auf 200 Personen ausgerichtet ist, mit über 450 Gästen bei 40 Grad am Schwitzen und Feiern! Der ganze Laden war einfach komplett on fire, es war absolut unvergesslich! Vielleicht auch unsere erste Blank-Party mit Disclosure – deren erste Show in Deutschland – in der Disco Zwei in Mannheim. Oder das erste Mal, als ich KiNK in der Halle02 in Heidelberg zu Gast hatte. Das waren einfach alles legendäre Nächte. OK, noch eins: die Closing-Party des CUBE, dem illegalen Club von Move D & Co. vor Ewigkeiten hier in Heidelberg. Eintritt frei und Drinks for free – das war vielleicht eine Nacht, hui!

 

Seit wann gibt es Blank? Wie kam es dazu?

Blank gibt es seit ungefähr fünf Jahren. Ich hatte damals die erste kostenlose EP von Disclosure – den Mercury-Prize-Gewinnern und mittlerweile großen Pophelden – entdeckt und wollte unbedingt eine Party machen, wo ich die Jungs buchen konnte. Damals gab es aber in Richtung UK-House & Co. einfach nichts, weder hier noch in Berlin oder sonst wo. Also habe ich mit ein paar Freunden von mir, mit denen ich bereits öfter aufgelegt hatte, Blank gestartet. Kurz daraufhin haben wir angefangen Compilations mit regionalen und internationalen Talenten herauszubringen, und haben somit unser eigenes Label gegründet. Mit Blank waren wir irgendwie im richtigen Moment am richtigen Ort. So hatten wir nicht nur die Deutschlandpremiere von Disclosure – live plus DJ-Set für eine absurd kleine Gage –, sondern seitdem auch Monat für Monat das Glück, das Neueste und Frischeste präsentieren zu können, was die elektronische Musik weltweit zu bieten hat. Namen wie Jackmaster, Dusky, Denis Sulta, Fjaak, DJ Boring, Mall Grab, Peggy Gou und viele andere durften wir bereits an unseren Decks begrüßen. Wir sind sehr gespannt, was die Zukunft noch alles so mit sich bringt.

 

Betreust du noch andere Veranstaltungen? Wenn ja, welche?

Mittlerweile promote ich Events in so ziemlich jeder Location hier in der Region. Bei vielen Sachen bin ich nur für das Booking oder das Programm zuständig. Bei anderen Events wiederum bin ich, angefangen von der Gestaltung bis hin zur technischen Ausführung am Abend, komplett involviert. In der Halle02 in Heidelberg betreue ich unter vielen anderen Events eine Reihe mit dem Namen „Le Clüb“, bei der exklusiv elektronische Live-Acts spielen. So habe ich das Glück, mit Âme, KiNK, Kollektiv Turmstrasse, Worakls, bis hin zu Johannes Heil oder Reinier Zonneveld, so ziemlich die besten Live-Acts zurzeit präsentieren zu dürfen. Im Karlstorbahnhof habe ich vor kurzem zusammen mit dem genialen Heidelberger Techno-Newcomer Crécy eine neue Reihe für puren Underground-Techno mit dem Namen „WAVES“ gestartet. Die Eventreihe hat sich in nur ein paar Monaten zu DER Party für echte Techno-Fans in der Region entwickelt. In den letzten Monaten durften wir uns schon freuen, so tolle Gäste wie Anetha, Nur Jaber, UVB oder Stranger an den Decks zu haben. Es gibt einfach noch so viel fantastische Musik da draußen, weswegen ich bestimmt noch hier und da ein paar neue Events starten werde. Das mit Sicherheit!

 

Welche Veranstaltungen stehen in nächster Zeit an?

Oh, da kommen jetzt im Herbst/Winter ganz schön viele! Um nur ein paar zu nennen, haben wir am 24. November den fantastischen Ants-Labelchef Emmanuel zu Gast bei „WAVES“ im Karlstorbahnhof. Am 30.11. freuen wir uns, endlich Eats Everything im Zimmer in Mannheim zu Gast zu haben, und am 1. Dezember bin ich sehr auf das Live-Set von Reinier Zonneveld bei unserem „Le Clüb“ in der Halle02 gespannt! Ah, und am 23. November lege ich selbst nach Erobique im Karlstobahnhof auf, das wird toll!

 

Du betreust ja auch einige Künstler, wen denn zum Beispiel?

Mit der Entstehung von Blank als Label und der Arbeit mit den Compilations, die wir herausgebracht haben, bin ich sehr bemüht, regionale Talente zu unterstützen und diese so gut wie möglich zu pushen. Gleich bei der ersten Compilation hatten wir das Glück, auf den damals noch 14-jährigen Produzenten David Jackson zu treffen, der uns – wie man sich denken kann – einfach komplett umgehauen hat. Seitdem arbeite ich sehr eng mit ihm zusammen und habe letztendlich auch sein Management und Booking übernommen. David – mittlerweile 18 Jahre alt – ist mit Releases auf Toolroom, Glasgow Underground und etlichen Plays auf BBC Radio One, Rinse FM & Co. eines der größten elektronischen Talente, die unsere Region, und wahrscheinlich ganz Deutschland, momentan zu bieten hat. Ich darf leider nicht zu viel verraten, aber es stehen etliche Sachen bei ihm in den Startlöchern: tolle EPs auf fantastischen Labels, großartige Club-Residencies, Festivals und vieles mehr … David Jackson ist definitiv ein Name, den Ihr Euch merken solltet.

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