Platten des Monats – Oktober

Compilations Oktober 2017

Marathon, Not A Sprint! 10 Years Of Greco-Roman (Greco-Roman)

Herzlichen Glückwunsch! Das Londoner Kollektiv, das nicht nur als Plattenlabel fungiert, sondern auch Partys veranstaltet und als Soundsystem auftritt, feiert seinen zehnten Geburtstag. Das stilbildende Imprint, das von Hot Chips Joe Goddard mitbegründet wurde, veröffentlicht zum Jubiläum eine Compilation mit 14 Singles aus der letzten Dekade inkl. zweier Gästebeiträge von Kate Tempest und LA Priest sowie dem Labelneuzugang Opal People. Und da finden sich natürlich einige Hits, denn Greco-Roman hat sehr oft ein gutes Näschen mit seinen Acts gehabt, die ihren Weg steil nach oben gegangen sind wie z.B. Roosevelt, Totally Enormous Extinct Dinosaurs oder Disclosure. Herauszuheben aus dieser Selektion, die eine schöne Breite elektronischer Spielarten zwischen Bass und Elektropop bietet, sind das „Hold On“ von Roosevelt, „Taking Over“ von Joe Goddard, „Sunburn Modern“ von Baio und „Control“ von Disclosure. Begleitend zur Compilaton gibt es drei limitierte 12Inches mit Clubtracks und Remixen. Mit dabei sind u.a. Dixon, Detroit Swindle, Four Tet, Kornel Kovacs oder Moscoman. Auf die nächste Dekade! 10/10

Amsterdam Gets Physical 2017 Compiled & Mixed by Paris Green (Get Physical Music)

Nachdem sie sich mit ihrer Debüt-Single „You Got To Try“ und dem dazugehörigen Remix von Poker Flat Labelboss Steve Bug schnell einen Namen in der Dance-Szene machen konnten, wird dem Amsterdamer Duo Mitchell Kelly und Thijs Bastiaans alias Paris Green nun die Ehre zu teil, die alljährliche Get Physical Compilation anlässlich des Amsterdam Dance Event beizusteuern. „Amsterdam Gets Physical 2017“ heißt das Werk, auf dem die beiden Musiker ihren frischen Sound aus dem Studio in einem flüssigen DJ-Mix unterbringen, der neben zwei eigenen Produktionen zehn weitere Tracks von Hochkarätern, wie DJ T. & James Teej, Reboot, M.A.N.D.Y. vs. Booka Shade oder DJ Pierre enthält. Von der Stimmung her eignet sich die Track-Auswahl für frühe bis späte Abendstunden und passt damit hervorragend zum Cover der CD, das die Amsterdamse Wallen, das Rotlichtviertel im Zentrum Amsterdams, zu später Stunde zeigt. Als musikalische Höhepunkte lassen sich Paris Greens eigener Track „Aero“ sowie DJ Pierres Klassiker „What Is House Muzik“ im Ricardo Villalobos Remix benennen. Insgesamt eine sehr angenehme Einstimmung auf das diesjährige Amsterdam Dance Event. 8/10

The Sound Of Mercury Rising – DJ  Harvey (Pikes Records)

Nun hat auch das Pikes auf Ibiza sein eigenes Label am Start und konnte als Kulturattaché DJ Harvey gewinnen. Mit zwölf Titeln macht er sich auf den Weg die Schönheit des echten Ibiza, die Historie von Pikes und die Liebe zur Musik zu transportieren. Unter dem Motto seiner Mercury Rising Clubnacht verbreitet er seit 10 Jahren echten balearischen Spirit und stellt hier seine Klassiker aus den letzten drei Saisonjahren vor, die das Gefühl von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang beinhalten. Dabei umspannen die Titel von Elkin & Nelson, Eighth Wonder, Idjut Boys, Van Mccoy, DJ Pippi, Tony Esposito oder Roberto Rodriguez einen Zeitraum von 1974 bis 2017! Im weitesten Sinne handelt es sich um trancig-popigen Dance Sound (gern wie bei Tore oder Gato Frito mit der obligatorischen Gitarre), der locker flowt und keine Schmerzen verursacht. So etwas kann nur auf Ibiza funktionieren und muss man live erleben. Die Platte kann dieses Erlebnis nur unzureichend transportieren. 7/10

Sorry, Vinyl only!

Longplayer Oktober 2017

Sailor & I – The Invention of Loneliness Deluxe Edition (Skint/ PIAS Cooperative)

Nach dem Debütalbum „The Invention of Loneliness“ legt der Stockholmer Sänger und Produzent Alexander Sjödin alias Sailor & I nun eine Deluxe Edition des Werks nach, die ein umfangreiches Remix-Paket hochrangiger Künstler beinhaltet. So wurden insgesamt sieben der originären zehn Albumtitel neu interpretiert, bzw. fit gemacht für die Tanzfläche. Unter den Remixern befinden sich führende internationale Größen im Techno- und House-Geschehen, wie z.B. der Amerikaner Eric Estornel alias Maceo Plex, der Brite Paul Woolford oder das Venezuelanische Duo Fur Coat, aber auch nationale Acts, wie der Stuttgarter DJ Johannes Brecht oder der aufstrebende André Hommen. Letzterem gelingt mit seiner Fassung von „Next To You“ ein wunderbarer Remix, der zunächst sehr spartanisch daher kommt, sich im letzten Drittel jedoch gerade zu magisch, wie eine aufgehende Blüte, entfaltet. Als ebenso gelungen darf auch die Gemeinschaftsproduktion von Sergio Muñoz & Israel Sunshine bezeichnet werden, die mit ihrem Fur Coat Remix zu „Black Stars“ gekonnt Akzente im straighten Techno-Bereich setzen. Letztlich sei erwähnt, dass der Schwedische Multi-Instrumentalist selbst zwei weitere Stücke, sozusagen als Bonus-Tracks, beisteuert. Zum einen ist es eine neue Interpretation von Moderats „Running“ und zum anderen das bewegende Stück „Only Love Can Save Us“, das auf eine bemerkenswerte Weise Synthie-Pop mit sehnsüchtigen Violinen kombiniert. Insgesamt ein lupenreines Remix-Album. 10/10

Einmusik – Serenade (Einmusika)

Dass der Berliner Samuel Kindermann ein Händchen für Harmonien hat, weiß man ja schon seit seinem Überhit „Jittery Heritage“. 10 Jahre liegt dieser mittlerweile zurück und in der Zwischenzeit hat Einmusik nicht nur sein eigenes Label etabliert, sondern sich auch zu einem vielgebuchten und beliebten Liveact entwickelt. Dennoch fliegt er irgendwie immer noch etwas unter dem Radar, ein Zustand, der sich mit diesem Album jedoch ändern könnte. Aufgeteilt in einen Dance- und einen Listening-Part, kombiniert das Album klassische Kompositionen, Flächen und Soundscapes mit clubbigen Tracks zu einem eindrucksvollen Gesamtwerk. Movement 1, der Dance-Part des Albums, beginnt mit „Serenade“, einem magischen, mit Chords und Arpeggios beladenen Sonnenauf- (oder Untergangs-) Juwel. Emotional geht es weiter mit „Maan“, „Biscarosse“ und „Nightingale“, allesamt melancholische Deephouse-Epen für dunkle Nächte. „Marin“ wird dann schon etwas fordernder, auch hier dominieren wieder Chords und Arps und im Break geht die Sonne auf. „Seesaw“ schraubt das Tempo etwas runter, aber auch hier befinden wir uns gefühlt schon in den frühen Morgenstunden, wenn die ersten Sonnenstrahlen durch die Palmwedel blitzen. „Nordkapp“ schließt den Dance-Part mit Piano-Vibes ab und erinnert mich im positiven Sinne an Chicanes „Offshore“. Mit „Movement 2“ folgt dann der Listening-Part des Albums. Fünf Tracks zwischen kosmischen Soundscapes und Downbeats für Sonnenuntergänge am Café del Mar und Sonnenaufgänge am Strand von Tulum, die dieses ausgesprochen gelungene Album elegant abrunden. 10/10

Hurts – Desire (Sony BMG)

Hurts, cooler Look, cooles Auftreten, coole Musik voller Achtziger-Zitate. Das war vor rund sieben Jahren. Seither hat sich einiges getan. Vor allem an seinem Sound hat das Duo aus Manchester geschraubt, ihn immer mehr in Richtung Pop getrieben. Die Band, die einst aus der Not heraus entstand, weil nichts anders funktionieren wollte – ein letzter Versuch quasi – ist heute eines der erfolgreichsten Pop-Duos überhaupt. Und hier macht auch Album Nr. 4 keinen Unterschied. „Desire“ strotzt vor Pathos, eingängigen Melodien und großen Gesten. Das muss man mögen, oder man hasst es. Dennoch kommen Theo Hutchcraft und Adam Anderson – anders als beim direkten Vorgänger „Surrender“ – besser auf den Punkt. Die Songs sind kurz und knackig, das Ziel klar; Nächste Station: Stadion. 8/10

 

Singles & EPs Oktober 2017

Kiasmos – Blurred (Erased Tapes)

Zwei Jahre nach ihrer letzten EP „Swept“ liefert das färöisch-isländische Duo wieder neues Material. Vier Tracks plus zwei Remixe. „Shed“ steht am Anfang, läuft los, flirrend-wippend und tief ausholend mit zarten Klängen, mit Tech und Tiefe. Der Titeltrack „Blurred“ tastet sich mit Pianoklängen ran, bevor es lostaktet, die Streicher dazukommen und der Himmel sich öffnet. Bonobos Remix beackert mit Bassdrum und KlingKlang das Original. „Jarred“ knistert und tickt sich voran, strahlt mit seinen sanften Tönen wie zuckende und bunte Polarlichter. „Paused“, der heimliche Hit der EP, schleicht sich auf sanften Pfoten in das Scheinwerferlicht, das Piano loopt seinen einnehmenden Akkord, der Beat klickert sich dezent in den Vordergrund und der Horizont entfaltet sich prachtvoll. Stimming liefert den Remix dazu, läutet charmant das Glöckchen, zieht mit Dancefloor-Appeal nach vorne, von einem Bein auf das andere und hisst die Hihat. Knackig und ausbalanciert. 10/10

Daniel Stefanik – Deep Inside (Moon Harbour)

Beim Leipziger Label ist man inzwischen bei Nummer 105 angekommen und die kann sich wie immer hören lassen. Im Titelstück lassen sich vocalistische Verweise auf die End 90er finden, als englische Label den Markt noch stärker beinflussten als heute (Stichwort Basement JaxxRed Alert). Der Vocalloop steht im Mittelpunkt und dominiert über die gesamte Laufzeit – fette Peak Time Nummer! „Another Year“ auf der Flip bringt uns beschwingten, leichten House mit einer freundlichen, kleinen Melodie. Gute Platte. 8/10

Marco Resmann – Flux EP (Poker Flat Recordings)

Upon.You-Mitbegründer Marco Resmann mit einer weiteren EP auf Steve Bugs Poker-Flat-Imprint. Los geht es mit dem Titeltrack, der hier flimmernde Synthies losschickt, messerscharfe Melodien ausspuckt und seine Drums auf die Gerade schickt. Spannend, straff und kickend. „Airutra“ hingegen schiebt perkussive Elemente unter einen pulsierenden Groove, wippt angenehm und stetig Richtung Wendepunkt, wo es dann tief in die Nacht geht. Mit „Keep It Easy“ purzelt ein Melodie-Loop über die Hihat ins Bodenlose, wo die Rhythmussektion immer wieder wartet und nach oben kickt. 9/10

S-Express – Theme From S-Express (Hot Creations)

Für Katalognummer 101 hat sich Hot Creations mal eben einen Meilenstein der Dance History geschnappt und mit neuen Mixes versehen. „Theme From S-Express“ erschien ursprünglich 1988 und war einer der ersten Überhits des Summer Of Love. Braucht dieser Track noch eine Reinterpretation? Diese Frage stellte sich auch Mark Moore von S-Express. Als er jedoch die Versionen von Tuff City Kids und Detlef hörte war seine Antwort ein klares Ja! Gerade die Tuff City Kids, mit ihrem 80er inspirierten Sound zwischen Proto-House und Balearic, können mit gleich zwei Versionen auf ganzer Linie überzeugen. Während das Original im ersten Remix poliert und aufgefrischt wird und in schönem neuen Glanz erstrahlt, rückt beim Acid Dub Remix die 303 mehr in den Vordergrund und macht die Nummer beim derzeitigen Acid Revival zum sure Shot. Paradise Resident und Hot Creations Artist Detlef zieht das Tempo etwas an und liefert eine etwas reduzierte Version des Themas ab. Definitiv gut spielbar, Favorit bleiben aber die Tuff City Kids. 8/10

Musicplayer

Streame deine Lieblings-Festivalmusik