Platten des Monats – Mai

Compilations Mai 2017

 

Get Physical Presents: Miami 2017 – Mixed & Compiled By Daniel Dubb & m.O.N.R.O.E. (Get Physical)

Die Zusammenarbeit des Kanadiers und Amerikaners ist geprägt durch eine hedonistische Selbstdarstellung, wenn acht der elf Tracks durch die beiden Protagonisten selbst beigesteuert werden oder in Form von Remixen Hand angelegt wird. Die ersten Stücke von Aquaviva, Cashah und Monroe laufen tracky und bilden den groovenden Auftakt, bevor mit dem housigen “Waste“ von Zohki & Mario Da Ragnio der Schritt zu mehr Empathie gelingt. Perkussive Ausflüge (Michael Gin), rhythmisierter Funk (Daniel Dubb „Badmon“, “Real Smooth“) und guter, deeper Tech-House (Jonathan Rosa) sowie solide pushender Club-House (Kareem Cali & Proudly People, Lorenzo Bartoletti) beweisen, wie ein sehr guter Mix klingen kann und soll. Mein Tipp: Das Chord-geschwängerte “NSEW“ von Sound Process & Andrew McDonnell in der Überarbeitung von Dubb & Monroe. Damit dürfte in Miami in 2017, aber auch andernorts, nichts schief gehen. Top Compilation! 9 Points

 

10 Years of Skryptöm

Anlässlich des ersten großen Jubiläums beruft Labelhead Electric Rescue seine langjährigen Freunde und Kollegen ein, um die gemeinsame Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen. Was dabei herauskam ist eine Label-Compilation mit großartigen Beiträgen der engsten Verbündeten wie Laurent Garnier, Johannes Heil, Roman Poncet, Truncate oder Inigo Kennedy. Insgesamt präsentiert uns Antoine hier 14 neue Werke plus einen Bonustrack, die allesamt vor Qualität strotzen und sich vielseitig einsetzen lassen. Deepe Techno Rhythmen, Acidspielereien, dubbige Ausprägungen und jede Menge Emotion vereint diese Compilation, der nichts hinzuzufügen ist. Zehn Jahre Leidenschaft, zehn Jahre Gefühl für den Moment, zehn Jahre Skryptöm. 10 Points

 

 

Longplayer Mai 2017

 

Tim Engelhardt – Moments of Thruth (Pokerflat Recordings)

WOW: Nach zahlreichen gefeierten Releasen auf Babiczstyle, Traumschallplatten oder Pokerflat darf man sich jetzt über das Debütalbum von einem der vielversprechendsten Künstler der elektronischen Tanzmusik freuen: Die Rede ist von Tim Engelhardt, der es auf einzigartige Weise schafft, mit Synthesizern, Natursounds und außergewöhnlichen Instrumenten eine tiefgreifend melancholische, aber auch hoffnungsvolle Stimmung zu kreieren. Während alle Tracks auch einzeln für sich stehen könnten, ist es ein Genuss, sie in diesem authentischen, gefühlvollen Album zu hören. Zu Anfang baut Engelhardt langsam Spannung auf, experimentiert mit warmen Soundfarben und schreckt auch vor eingängigen Vocals, die jedoch niemals cheesy wirken, nicht zurück. Im späteren Verlauf nimmt das Album an Fahrt auf und treibt den Hörer immer schneller an, sich der Musik hinzugeben, um an Ende wieder erfüllt dort anzukommen, wo man eine Stunde zuvor startete. 10 Points

 

Carl Craig – Versus (Planet E/Infine)

Ein weiterer Geniestreich des Detroiters steht mit diesem Longplayer ins Haus. Bereits lang im Vorfeld durch Francois-Xavier Roth mit sechs klassisch aufgeführten Titeln im Jahr 2004 initiiert und lanciert, intensivierte sich die Zusammenarbeit zwischen Carl und dem Les Siecles Orchestra im letzten Jahrzehnt und gipfelt nun im kompositorisch adaptierten Cultureclash zwischen Club und Hochkulturmusik. 14 Titel schicken sich an, das hedonistische Technoleben mit klassischen Regionen zu hybridisieren. Titel wie “Sandstrom“, die voluminös wummernd das Auditorium erfassen, Pianos (von Francesco Tristano), die auf einer geloopt wilden Achterbahn über das Notenblatt fliegen (“Darkness“) und fein ziselierte Interludes (“Coding Sequence“, „At Les“) spiegeln in perfekter Symbiose zwischen digitalem Vorbild und klassisch geremixter Umsetzung die Genialität eines Carl Craig einerseits, aber damit auch die Transformierbarkeit und daraus ableitend die allgemeine Gültigkeit seiner Musik wider. Zu diesem Album wird es Liveperformances mit Synthies und Klavier geben. Craig erfindet sich in seinem Godmode mit Hinterfragen des eigenen Schaffens und Kreieren neuer Ausdrucksformen ein weiteres Mal. Zuhören und Genießen. 10 Points

 

DJ Hell – Zukunftsmusik (International Deejay Gigolo)

Nach der ersten Single „I Want U“ – das Video dazu eine posthume Kollaboration mit Künstler, Illustrator und Schwulenikone Tom of Finland – folgt nun also das fünfte Album von Helmut Josef Geier. Das erscheint natürlich auf seinem eigenen, inzwischen auch schon mehr als zwanzig Lenze zählenden Label International Deejay Gigolo. Hell selbst bezeichnet „Zukunftsmusik“ als sein persönlichstes Album, auf dem er den Bogen von der kulturellen Bewegung der 70er bis zur aktuellen, gesellschaftspolitischen Lage spannt. Es ist auf jeden Fall ein Genre- und Zeitgrenzen ignorierendes Gesamtkunstwerk, das von futuristischen Synthies über Orchestrales bis hin zu Clubbigem die gesamte Bandbreite des Hell’schen Schaffens abbildet. Eine Reise durch sein musikalisches Leben, zu der er den Zuhörer bereitwillig einlädt. Bewegt sich die erste Hälfte noch in fast traumwandlerischen Synthie-Sphären, gibt es weiter hinten mit Tracks wie „Guede“, dem eingangs schon erwähnten „I Want U“ und „Wild At Heart“ mächtig Druck für den Dancefloor. „With U“, eine Kollaboration mit den Stereo MCs, zeigt Hells Liebe auch zum poppigeren Synthie-Sound der 80er ab, ehe der Bonustrack „Mantra“ noch mal schön düster vor sich hingroovt und trotz treibender Bassline etwas Meditatives in sich birgt. 10 Points

 

 

Singles Mai 2017

 

Alan Fitzpatrick – Brian’s Proper Dun One (Drumcode)

Alan Fitzpatrick, der wohl mittlerweile fast dienstälteste bzw. häufigst vertretene Drumcode-Recke ist wieder da. Mit „Brian’s Proper Dun One“ setzt er die Messlatte gleich mit dem Titeltrack sehr hoch an. Verglichen mit den anderen Produktionen auf anderen Labels diesen Monat stimmt hier alles und überzeugt mich sofort der Titeltrack. Sehr schön monoton und mit wenigen Sounds viel herüber bringen. Genauso muss das. „Trance, Init?“ enthält wieder eines dieser undefinierbaren Vocals und schön drum herum gebastelte Sounds. Im Break wird es dann etwas ravig und für die großen Hallen produziert. „Wait A Second feat. mc r1bbz“ beginnt mit einer sanften Melodie und MC Vocals. Das erinnert irgendwie an Frühling und der MC ist eher zum Aufwecken. Muss man sich erst mal etwas dran gewöhnen. Öfter mal was Neues. Gut produziert, Alan, gut gewählt, Adam. 10 Points


 

Lucy – Cannon Fodder (Life & Death)

Lucy mit seiner Premiere auf Life & Death. Der italienische Produzent und Labelbetreiber (Stroboscopic Artefacts) liefert mit „Cannon Fodder“ einen technoiden Banger ab, der dunkel und bedrohlich auf den Dancefloor galoppiert. Der Remix von DJ Sotofett wuselt sich durch einen 90er Loop mit ganz viel Happiness und Love. Luke Slater schließlich als Planetary Assault System rundet das Package ab. Seine Version ist eine druckvolle Hymne mit Sirenengeheul und total entschlackt-minimalistischem Soundspektrum. Sehr intensiv und der Gewinner der EP. 8 Points

 

Sasha feat. Polica – Out of Time (Kompakt)

Diese Platte bringt die Sonne in jeden noch so dunklen Club: Sasha liefert auf seinem Kompakt-Debüt entweder treibende Emotionen oder aber gefühlvolle Beats. Die wunderschönen Vocals von Polica bezaubern wirklich jeden, ohne auch nur einmal zu cheesy zu wirken, denn auch Sashas Drums können einiges. Ein ganz großer Track, der auch in einer etwas reduzierteren Version von Kompakts Patrice Bäumel super funktioniert. Bäumels Remix fängt sehr subtil an und mausert sich, durch seine mitreißende Atmosphäre, zum Ende hin zum echten Crowdliebling. Der Instrumental Mix gefällt, trotzdem ist „Out of Time“ gerade aufgrund seiner Vocals ein Favorit für den Sommer. 9 Points

 

 

 

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