Platten des Monats –Juni

Geht es Euch auch oft so: Ihr hört viel zu oft die gleichen Playlisten und seid auf der Suche nach etwas Neuem? Wir helfen aus – Viel Freude!

Compilations

Soul Clap – Fabric93
(Fabric)
Soul Clap – die aufstrebende Elite und bereits jetzt schon Referenzpunkt in Sachen House wurde auserkoren, Fabric Nummer 93 zu hosten. Wie nicht anders zu erwarten, legen sie in einem spannenden Umfeld zwischen dem eher ungewöhnlich ambienten Scott Grooves, souligen Anteilen (The Return von 1999 auf Strictly Rhythm – klingt nach Prince) und switchen mit Life On Planets schnell ins housige, moody Segment. Der Weg in den Club wird mit einem Barbara Tucker Remix von “I Get Lifted“ vollzogen und schon folgen die Auftritte von Soul Clap selbst: Moody House (“I Gotta Feeling“,Weekend At Barnies“), der sich gekonnt mit stärkeren Beatanteilen mit Taylor Bense oder Martin Heimann fortsetzt. Die rhythmische Zäsur beginnt mit Chateau Flight: Elektronik und Broken Beats halten Einzug und kulminieren im Megahybrid von India Ocean (auf Phase One von 1986) und den Acapellas von Derren Smart. Willie Burns beendet das Intermezzo, gerade Rhythmik forciert den Tanz ums brennende Kalb mit The Pool, Nu Guinea oder Dave Martin. Danach läuten funky und bassbetonte Tracks von The Hue, Jack Novin & Matt Grone den stärksten Part der Zusammenstellung ein: Ken Gill und Zolepar grooven ohne Ende, bevor Drumpower mit Afrobeats von Sol Power All-Stars, Joakim, Maajo, wierd Ethno mit Jimi Tenor & Tony Allen sowie das moody Hammondstück von abermals Scott Grooves einen sehr abwechslungsreichen und sehr unterhaltsamen Mix abrundet. Megazusammenstellung! 10 Points

DJ-Kicks mixed by Michael Mayer
(!K7)
Auf seinem letzten Album „&“ versammelte Kompakt-Chef befreundete Musiker wie Agoria, Joe Goddard oder Prins Thomas, um mit ihnen zeitlose Clubmusik zu produzieren. Bei seinem neuen Projekt, der legendären DJ-Kicks-Compilation, stellt der Kompakt-Boss sechzehn Tracks zusammen, die ihn in seinem Werdegang intensiv geprägt haben. Die Platte ist somit mehr als nur eine Momentaufnahme. Sie schafft es, sich stimmig durch die verschiedensten Einflüsse wie Royksopp, Jon Hopkins, I:Cube oder CSS zu winden. Mit den ausgewählten Vinyl-Perlen schaukelt sich der Mix langsam aber sicher zur absoluten Höchstform und wird somit zu einer sehr kurzweiligen Angelegenheit. Highlights dieser DJ-Kicks sind auf jeden Fall Mayers Interpretationen der Tracks von Dreems, Kasper Bjørke und CSS, die seinen Status quo als gefragten Remixer untermauern. 10 Points

Dots & Pearls 4
(Cocoon)
Dots & Pearls geht in die vierte Runde. Der zwölf Titel nimmt sich niemand Geringeres als Markus Fix an, der unterschiedliche Titel des Cocoon Imperiums in einer wieder einmal besonderen Installation zur Schau stellt. Das Motto ist Diversität und das zeigt sich bereits mit dem Flügel Mix von “Electrica Salsa“, minimaler Techno, der den Kern des 80er Electrocuts durchschimmern lässt. Experimenteller Techno (Mirko Loko) und Deep Techno (Wouter De Moor, Tim Green) sind weitere Stationen auf dem Weg zum Glück. Pop-getunte Tracks (Christian Burkhardt), Hypnotic Techno (Markus Fix), Electro (Chymera) oder knarzige Klänge (Sven Väths knackiger Remix von Kölsch) komplettieren geschmackvoll das Gesamtbild und schließen mit den weichen Beats von Ricardo Tobars “Red Light“ im Lawrence Remix. Von den vier Newcomern werden Einzelvinyls veröffentlicht. Insgesamt gut, aber nicht wie von Cocoon eigentlich gewohnt, überragend. 8 Points
 

Legends Of House
(Milk & Sugar)
Legenden gibt es viele, die Einschätzung ist dennoch meist subjektiv und abhängig von vielen Faktoren. Milk & Sugar, als hier agierende Kompilierer, setzen zum 20jährigen Bestehen des Duos auf melodiösen House mit Vocalanteilen aus den 90ern und 00ern. CD1 hat Schwergewichte wie Moloko, Ultra Nate, David Morales, Jon Cutler, Afro Medusa und Armand van Helden im Gepäck. Hier jagt ein Hit den nächsten, häufig in exzellenten Remixversionen. CD2 stellt sich aktueller auf. Âme, Dennis Ferrer, M.A.N.D.Y., Tensnake oder Michel Cleis verströmen dickes Clubfeeling, gemixt von Jerome Sydenham, Tiefschwarz, Danny Krivit oder Claptone. In diesem Verbund gelingt Milk & Sugar eine ausgewogene und qualitativ hochwertige Compilation, die den Flur mit Retrospektiven füllt. “Energy 52 mit Cafe Del Mar“ sei als lebendiges Beispiel genannt. 9 Points
Longplayer

 

Goldie
The Journey Man (Metalheadz)
Wenn Metalheadz-Boss und Drumandbass-Ikone ein Album veröffentlicht, dann ist das stets eine kleine Sensation. Zwar passt das, was Goldie so produziert, nur bedingt in den Club-Kontext, dennoch bereichert sein musikalischer Horizont Drumandbass immer wieder, um eine musikalische Note und bringt dem Genre als solchem ein Plus an öffentlicher Aufmerksamkeit. Man denke nur an „Inner City Life“ von Goldies Debüt-Album „Timeless“, das seinerzeit auf sämtlichen Musiksendern rauf- und runtergespielt wurde. Oder die Live-Performance des Albums durch das Heritage Orchestra, mit dem Goldie dieses Jahr auf Tournee gehen wird. Auf „The Journey Man“ verbindet Goldie Drumandbass und Soul, arrangiert mal klassisch unelektronisch, mal direkt für den Club. Große Melodien treffen auf noch großartigere Vocals und machen „The Journey Man“ zu nicht mehr und nicht weniger als einem kleinen Meisterwerk. 10 Points

 

!!!
Shake The Shudder (WARP)
Ungewohnte Danceklänge auf WARP, dafür von einer der größten Undergroundtruppen des Planeten. Die Rede ist von !!!, den New Yorker Legenden, die mit ihren jüngsten Eskapaden anscheinend Indieeinflüsse zurücknehmen und ganz stark auf straighte Beats mit dickem Bass (“Dancing Is The Best Revenge“) setzen. Diesem Konzept folgt das Kollektiv über die gesamte Lauflänge fort. Im Grunde klingt “Shake The Shutter“ wie eine gelungene Kombination aus LCD Soundsystem und Blondie – Dance und Punk Attitude verschmelzen zu einem kongenialen Hybrid und versetzen die Crowd auf dem Floor und vor der Bühne in Ekstase. Der Funk aus den Jam Sessions Vorlagen klingt überall durch. Fantastisches Album! Lieblingslied: “Five Companies“. 10 Points

 

Jazzuelle
Circles (Get Physical)
South Africa on the Rise! Bereits auf der letzten Get Physical-Compilation vertreten, legt Jazzuelle mit einem wundervollen Album nach. Gefühlvolle Texturen auf warmen Grund, elektronisch geprägt und einen deepen Vibe transportierend, bringen es die 14 Stücke auf den Punkt: Urbane Soul Music mit geerdeten Sounds, die sich auch stimmlich niederschlagen an Hand toller Frauenstimmen, die die Szenerie gekonnt abrunden. Von jazzy-loungy Vibes (“RXJ1532“) bis hin zu druckvollem Clubsound (“The Fibonacci Sequence“, “Adaptions“) deckt “Circles“ ein gutes Housespektrum ab, was letztendlich auch dem Einsatz von namenhaften Mitstreitern wie Lars Behrenrot, Charles Webster, Fred Everything oder Matthias Vogt geschuldet sein dürfte. Anspruchsvolle Scheibe. 8 Points 

 

 

Nick Höppner
Work (Ostgut Ton)
In diesen Tagen erscheint mit „Work“ das zweite Album des Panorama-Bar-Residents Nick Höppner. Man merkt dem Album sofort an, dass Höppner als Produzent gereift ist. Alles wirkt etwas mehr durchdacht und verfeinert. Was ebenfalls sofort auffällt ist die Tatsache, dass das Album nicht nur für den Dancefloor geschrieben wurde. Es finden sich dort neben den klar erkennbaren Club-Tracks auch solche, die zu Hause besser funktionieren. Nick Höppner gelingt es auf dem Album ziemlich gut, die verschiedensten Genres miteinander zu kombinieren und es doch alles stimmig klingen zu lassen. Das wird besonders bei dem Track „All By Themselves (My Belle)“ deutlich. Hier treffen IDM-mäßige Synthesizer-Melodien auf atmosphärische Vocals. Anderen Stücken merkt man ihre Nähe zu Jazz, Dub oder gar UK-Bass-Music an. Ein Stück auf „Work“ ist sogar mit akustischen Instrumenten wie Gitarre und Cájon entstanden. So macht das Album Spaß beim Hören und bietet abwechslungsreiche Stücke ohne beliebig zu wirken. 9 Points

 

SINGLES

Chuckie
The Watcher (Desolat)
Mit der dritten Veröffentlichung auf dem Label von Loco Dice Desolat übertrifft sich Chuckie selbst. Es handelt sich um ein Techno-House-Groovemonster von sieben Minuten Länge, mit Megabassline und coolen Filtereffekten on top. Die Synthieline bestimmt den Ravefaktor und macht “The Watcher“ final zu einem Peak-Time- Superdoopertrack, der alles abräumt und die Masse ausrasten lässt. Ein Essential für die Kiesgrubensaison und bereits jetzt schon ein Klassiker! 10 Points

 

Dominik Eulberg & Essáy
Dream Machine (Traum Schallplatten)
Ein ganz besonderes Stück Musik kredenzt uns hier das Kölner Label. Die Kollaboration der beiden erscheint digital und als einseitig-bespielte und transparente 12Inch – limitiert natürlich. „Dream Machine“ hat Eulberg in den letzten Monaten sehr häufig in seinen Sets gespielt, die Nachfrage war groß. Der Track ist aber auch ein Hit, eine Hymne, die jetzt im Sommer auch das eine oder andere Festival versüßen könnte. Knackige Beats treiben Flöten und Pop-Appeal vor sich her, eine zartschmelzende Zuckerguss-Melodie wirbelt über den in die Höhe gerissenen Händen und vereint den Dancefloor mit großer Befriedigung und Glücksgefühlen – die Seele baumelt. 10 Points

 

 

Kaiserdisco & Karotte
Knocking Echoes (Tronic)
Die bekannten deutschen DJs und Produzenten veröffentlichen zwei neue Stücke auf dem Label Tronic. Meiner Meinung nach hätten sich Karotte und Kaiserdisco schon lange zusammen ins Studio setzen sollen. Der Titeltrack ist zum Einstieg eher ruhiger und würde sich auch gut als Set-Opener machen. Wer von euch viel Bass und Druck sucht, der sollte sich auf jeden Fall „Mauve“ anhören. Ein schönes, instrumentales und minimales Brett! Hoffentlich sind sie bald wieder im Studio zusammen. 9 Points

 

Adana Twins
Flower Of Cane EP (Watergate)
Die beiden Hamburger Twins sind zurück auf dem Wasser. Der Titeltrack der EP präsentiert sich eher finster und druckvoll, mit teils ungewohnt progressiven Samples. “Ortus” zeigt sich dagegen eher fröhlich, mit leitenden Arpeggios und housigem Touch. “Relentless”, der mit Jeppe Kjellberg entstand, kommt deep und hat Potential zur Sommerhymne. Der Andre-Lodemann-Remix dazu verleiht dem Original noch einen etwas entspannteren Charakter. 8 Points

 

Kölsch
Speicher 97 (Kompakt Records)
Kölsch mit seiner schon siebten EP im Rahmen der Speicher-Reihe von Kompakt Records. Und wieder liefert der deutsch-dänische Producer zwei dufte Dancefloor-Bretter. „Push“ sägt sich roh und ungeschminkt ins Hirn, holt mit Pathos, Streicher-Break und Melodie aus, um in den Tiefen des Raumes aufzublühen. „Goodbye“ nölt etwas beleidigt durch die ersten Takte, löst sich im frühen Break mit viel Melancholie auf und entfaltet sich dann mit orgelartigen Synthie-Fragmenten, die von hallenden Vocal-Fragmenten begleitet werden, Bleus, Gezwitscher und Fläche. 9 Points

 

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