Platten des Monats – August

Neuer Monat, neues Glück! Der August steckt wieder voller Veröffentlichungen von Deinen Lieblingsfestivals und -Lieblingskünstlern. Pünktlich zum Tag der Schallplatte haben wir u.a. Compilations von der Nature One oder dem SonneMondSterne Festival, die neuesten Releases von Solomun oder Ninetoes und die langersehnte DJ Kicks Ausgabe von DJ Tennis im Gepäck.

Compilations August 2017

DJ Tennis – DJ-Kicks (!K7)

Jeden Monat kommen neue Compilations in die Verkaufsregale, doch nur wenige liefern seit vielen Jahren eine derart hohe Qualität wie die DJ-Kicks-Reihe. Diesmal selektiert und gemixt von DJ Tennis auf gleich zwei CDs. Der Life&Death-Boss ist seit mehr als zwanzig Jahren ein sehr aktiver Künstler und greift auf der ersten CD auf ruhigere Töne zurück: Man findet hier Jon Hopkins, Isoleè, Four Tet oder Mouse on Mars: Lazy Beats, perfekt ineinander gemischt und die Top-Auswahl für den Sonntagmorgen. Auf der zweiten CD geht es mit Traumprinz, Robert Hood oder Kenny Dixon Jr. sehr energetisch weiter, der Mix nimmt an Fahrt auf und am Ende glänzt Tennis mit einem Highlight, seinem eigenem Track „Certain Angels“. 10/10

Daphni – Fabriclive 93 (Fabric)

Daphni ist wieder da! Der Kanadier Dan Snaith, der vor allem mit seinem Projekt Caribou Ruhm und Ehre erlangt hat, hat unter diesem Namen 2012 das House-Album „Jialong“ veröffentlicht – und auch dafür Ruhm und Ehre eingeheimst. Nun liefert Sankt als Daphni den aktuellen Fabriclive-Mix und macht das – wie schon Villalobos, Omar-S und Shackleton zuvor – nur mit eigenen Werken, schenkt uns quasi ein neues Album, da alles Material bisher unveröffentlicht war. Die Reise beginnt mit einem trockenen Drum-Bassline-Duett und führt uns durch mäandernde Sound-Collagen, die oft einen sehr rauen und ursprünglichen, ja fast unfertigen Touch transportieren. Es gibt Bass-Attacken, Orgelspitzen, dunkle Kellerausflüge, aber auch ausgestreckte Arme, die die Sonne anbeten. Eine heterogene Affäre, die auch immer wieder Tempowechsel, Breaks, Cuts sowie Auferstehungen auf Lager hat und vor Musikalität, kleinen Finten und Bonbons nur so strotzt – irgendwo im weiten Feld, das wir irgendwie versuchen mit House, Techno und Electronica zu bezeichnen. 9/10

SonneMondSterne XXI (Kontor Records)

Ein absolutes Highlight im jährlichen Festivalsommer ist natürlich das SonneMondSterne-Festival, das in diesem Jahr bereits zum 21. Mal stattfindet. Nach der dicken Jubiläumssause im letzten Jahr wird hier aber kein Kater-Programm aufgefahren, sondern direkt wieder Gas gegeben mit Acts wie Major Lazer, Fritz Kalkbrenner, Steve Aoki, Mr Oizo oder Sven Väth. Die diesjährige Compilation ist eine deutsch-italienische Affäre: Sam Paganini, Drumcode-Act und neuerdings mit eigenem Label JAM am Start, liefert den ersten Mix, Marcus Reinhardt, wie das Festival ein thüringisches Gewächs und Upon-You-Mitbegründer, den zweiten. Letzterer schließt auch traditionell das Festival mit seinem Set ab. Paganini startet mit seinem eigenen Track „Candy“ – staubtrocken und druckvoll – und marschiert dann in straighte Tech-Regionen, hat dabei Kracher von Matrixxman, Johannes Heil oder Flug am Start oder droppt mal nen oldschooligen Beat von Moddullar („Kinetik Energy“). Feine technoide Abfahrt. Meinhardt geht es etwas deeper an – wie mit „Papsak“ von Dirty Doering oder „Mund“ von Emil van den Dungen, ohne aber ein paar Tech-Bretter zu vergessen, wie „The First Time“ von Bontan oder „Mizar“ von Einmusik. Sehr lässig und abwechslungsreich. 9/10

Nature One – We Call It Home (Kontor Records)

Die Nature One ist eins der beliebtesten Festivals Deutschlands und findet in diesem Jahr bereits zum 23. Mal statt – eine gefühlte Ewigkeit. Es gibt kaum einen Act der elektronischen Musikszene, der nicht schon mal im Hunsrück auf der ehemaligen Raketenbasis Pydna aufgetreten ist. Die begleitende Compilation gibt es ebenfalls schon seit 1995 – damals waren u. a. Andy Düx, Charly Lownoise & Mental Theo, DJ Hooligan oder Paul Elstak auf der Doppel-CD vertreten. Letzterer ist auf der diesjährige Ausgabe – Motto: We Call It Home – auch wieder dabei. Mittlerweile sind es drei CDs, bzw. drei Mixe. Los geht es mit dem „Open Air Floor“-Mix, der hier das bunt gemischte Line-up des Mainfloors aufnimmt und den Bogen spannt von Armin van Buuren, Dimitri Vegas & Like Mike über die Ostblockschlampen, Neelix bis hin zu eben erwähnten Elstaks (zusammen mit Jebroer) und der offiziellen Hymne der Nature One Inc. Mix #2 steht unter dem Motto „House Of House“ und hier wird es deep, lebendig und sonnig mit Lost Frequencies, EDX, Wankelmut, Moonbootica und Moguai. Feine Feierei! Das Finale gibt es in Form des „Century Circus“, es wird knackig und technoider. Matador remixt sehr gelungen Oxias Klassiker „Domino“, Sam Paganini wirft sein krachendes „Candy“ ins Rennen, Junge Junges „Run Run Run“  wird von Drumcomplex veredelt und Klaudia Gawlas lässt ihrer „Monophonie“ freien Lauf. Mein Lieblingsspiel der Compi. 10/10

Longplayer August 2017

UNKLE – The Road Pt. 1 (Songs For The Def/Alive)

25 Jahre nach Projektgründung und 20 Jahre nach dem ersten UNKLE-Album legt James Lavelle sein fünftes Studioalbum vor. Sieben Jahre sind seit dem letzten Werk „Where Did The Night Fall“ vergangen. Sieben Jahre, in denen Lavelle alles andere tat, als sich auszuruhen. Live-Performances, neue Tracks mit diversen Künstlerkollegen sowie zahlreiche Kunstprojekte hielten ihn auf Trab, bis vor drei Jahren das Bedürfnis aufkam, ein neues UNKLE-Album zu produzieren. Zum ersten Mal alleinverantwortlich, aber wie gewohnt mit zahlreichen Gästen. Zum Beispiel Langzeitkollaborateur Mark Lanegan, mit dem das düstere „Looking For The Rain“ entstand. Ebenfalls bereits vorab gab es die Single „Cowboys Or Indians“, ein Hybrid aus Indierock und Massive-Attack-Anleihen – eine Hommage an alte TripHop-Zeiten und eine Zusammenarbeit mit Elliott Power, Mïnk und YSEÉ. Das „The Road Pt. 1“-Konzept ist in sich geschlossen. Alles, was das wandelbare Projekt UNKLE seit seiner Gründung umtrieb, fügt sich hier zusammen. Electronic, Rock, Folk, HipHop. Lavelles Faible für Filmmusik macht auch dieses Album zu einem cineastischen Werk, hoch emotional und aufrüttelnd, ergreifend und mitreißend. Ich freue ich schon jetzt auf Pt. 2. 10 Points

Ferry Corsten – Blueprint (Flashover Recordings)

Ferry Corsten begleitet uns mit seinen Produktionen als langjähriger Pionier der elektronischen Musik und ist außerdem einer der erfolgreichsten Trance-DJs und Produzenten weltweit. Sein neues Studio-Album „Blueprint“ könnte sogar das anspruchsvollste seiner Karriere werden. Die Doppel-CD beinhaltet nicht nur den musikalischen Stil für den sein Label Flashover Recordings bekannt ist, sondern zeichnet sich auch durch einen unkonventionellen Hintergrund aus. Untermalt wird ein erzählerischer Fokus auf die Existenz der Menschheit und den Wunsch, über unsere Welt und eigene Vorstellungen hinauszugreifen und diese zu erforschen. Die Reise um die beiden Protagonisten Lukas und Vee ist inspiriert von verschiedenen Einflüssen des Science-Fiction Genres und der facettenreiche Holländer liefert den Soundtrack dazu. Klingt komplex und spacig, dafür sehr einfach zu hören, ohne dass es den Charakter eines normalen Albums verliert. 17 tolle Titel und ein Science-Fiction Film in akustischer Form – good work, Ferry! 10 points

Ryuichi Sakamota – Async (Royal Plastic)

Den Japaner Ryuichi Sakamota kennt man bereits durch diverse Filmmusik und als Teil des Yellow Magic Orchestras, mit dem er nicht nur Big in Japan wurde. Und das obwohl er seit jeher ein Faible für abwegige Klänge hat. Seine Karriere verlief ohne große Unterbrechungen. Zuletzt kämpfte der Komponist jedoch mit Kehlkopfkrebs, was ihn zu einer künstlerischen Pause zwang. Mit „Async“ meldet sich Sakamota nun mit einem intimen Setting voller analoger Synthesizer, Field Recordings und dezenter Gitarren zurück. Tracks wie „Andata“ oder „Walker“ bezeugen Sakamotas Talent, landschaftliche Kulissen sphärisch aufzufangen. Und schon hat man einen Film im Kopf. Das Schöne: Den Plot kann man sich hier immer schön selbst dazu denken. In den Linernotes macht er kein Geheimnis daraus, dass er auch jene Aufnahmen als Begleitmusik für einen Film von Andrei Tarkovsky versteht. Mit dem feinen Unterschied, dass der eben noch nicht gedreht wurde. Vielleicht finden Regisseure hier ein wenig Inspiration: Bei Sakamota gibt es Blenden, Schockszene, romantischen Abgang. Trotz reduzierter Instrumentierung setzt „Async“ nämlich auf Kontraste. Die Nummer „ZURE“ hingegen besticht durch einen meditativen Touch, während der Titeltrack auf das Klavier regelrecht einhämmert. Mit feinfühligem Ambient beschließt Sakamota mit „Garden“ dann sein erstes Solowerk seit acht Jahren. 8 points

Lorenzo Al Dino – Ibiza (Warner Music)

Der Wiener und Wahl-Ibizenker Lorenzo Al Dino tritt über Black Hole Recordings mit einem neuen Continuous-Mix-Album in Erscheinung, dessen Titel und Konzept einer Ode an seine dreißigjährige Zeit und Aktivität auf der Insel entspricht. Lorenzo startete seine Karriere bereits in den 80ern und kann auf einen Katalog von über 450 Produktionen, eine Vielzahl von Preisen – darunter Platin und drei Mal Gold für frühere Alben – zurückblicken. Sein Sound erstreckt sich von Vocal House über Deep House bis hin zu Indie House, wobei „Ibiza“ sich im Besonderen dem clubbigen Acid-, Tribal- und Tech-House widmet. Insgesamt elf, fast nur instrumentale Titel spielen auf den Sound der 90er Jahre unter Verwendung echter Studiogeräte wie dem Moog Synthesizer, gepaart mit heutigen Möglichkeiten der elektronischen Musik an. Ein kleiner Geheimtipp zu einer magischen Zeitreise auf der legendärsten Insel des Sommers erwartet euch hier, die man auf keinen Fall verpassen sollte! 10 points

Singles & EPs August 2017

Timo Maas & Aidan Lavelle -Body Language EP (My Favorite Robot)

Der deutsche Technotitan teamed mit dem UNKLE Umfeld in Form von Aiden Lavelle. Auf sieben Minuten erzählt uns “Body Language“ von deepem Techno mit spielerischen Melodien auf warmen Drums, einem grollenden Bass und Sci-Fi Pads. Zur Peak Time der perfekte Track für den perfekten Moment. Insbesondere die Melodien stellen einen wunderbaren Kontrast zum sonstigen Geschehen, mit absorbierender Atmo aus dem Off dar. Techno als Zeitdokument – besser kann das dieser Tage nicht klingen. Re.You spielt im subversiven Untergrund und hört sich freakiger an, auch minimaler und erstaunlicherweise auch darker. Es klickert, klackert und die verfremdeten Vocals wirken rhythmusgebend und stilbildend auf das Stück. Beide Mixe spielen in einer eigenen Liga und werden bald flächendeckend zu hören sein. Top! 10 points

Ninetoes – Bonita (Moon Harbour)

Ninetoes mit seiner zweiten EP auf dem Leipziger Label Moon Harbour. Drei Nummern bietet uns der Berliner hier an und den Anfang macht der Titeltrack „Bonita“. Der bounct sehr vergnügt mit seinen Drums und warmen Akkorden durch den balearischen Sommer. „Omur“ etwas schnurstrackser und getrieben von orientalischen Vocal-Fragmenten, perkussiven Klickereien und einer schmucken Hi-Hat. Führt geradewegs in deepe und leicht hypnotische Zonen. Schließlich „Define“, das mit seinem dynamischen Groove, seinen verzwirbelten Synths, Trompete und weiblichen Vocal-Ausrufen viel exotische Tribal-Würze verbreitet. 8/10

Age Of Love – The Age Of Love (Solomun Renaissance Remix) (Renaissance Reords)

„The Age Of Love“ vom gleichnamigen italienischen Projekt gehört zu den Vertretern der Gattung Trance und wurde 1990 veröffentlicht. Aber richtig bekannt wurde der Track erst zwei Jahre später durch den legendären Remix von Jam & Spoon – bis heute einer DER Trance-Klassiker. Und an diesen hat sich auch Solomun mit seiner Version gerichtet, die er für „The ReMix Collection“ von Renaissance Records produziert hat. Die Essenz ist weiterhin im Fokus, führt durch den Track. Der Beat hingegen sehr housig, runtergefahren, lässig, zieht angenehm voran. Zum Break, Drop und weiter ratscht und zischt es uns ins Herz des Dancefloors. Durch sehr gelungene und groovende Version des Klassiker. 9/10

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