Location des Monats: VillaRheinperle

Die Villa Rheinperle in Duisburg zählt zu den wahrscheinlich schönsten Locations im gesamten Bundesgebiet. Wir haben mit einem der ‚Macher‘ – Dirk Hallecker – über die Villa Rheinperle gesprochen.

Wie kamt ihr auf die Idee, dieses einzigartige Gelände für eure Veranstaltungen zu nutzen? Und wann hat das Ganze begonnen?

DH: Begonnen hat das Projekt oder vielmehr das Abenteuer Villa Rheinperle im Jahr 2008. Damals sollte eines der umliegenden Gebäude, welches auch ursprünglich zu Veranstaltungszwecken erbaut wurde, verkauft werden. Mein Partner Marc Förste hatte sich damals für das sogenannte Bliersheimer Krupp Casino interessiert und wurde somit erstmalig auf die angrenzende Villensiedlung aufmerksam. Nachdem es mit dem Kauf des Casinos nichts wurde, kam die heutige Villa Rheinperle in den Focus. Die damalige Villa des Thyssen Krupp Stahlwerk Direktors war in einem erbärmlichen Zustand und wäre ohne den auferlegten Denkmalschutz sicherlich längst abgerissen worden. Nachdem wir das Haus und die umliegenden Parkflächen im Jahr 2009 erworben hatten, stellte sich die Frage, wo die Reise genau hingehen sollte und vor allem – wie und ob wir uns diese Mammutaufgabe überhaupt antuen möchten. Nach etwa zweijähriger Bedenkzeit haben wir das Projekt dann angestoßen und mit dem Umbau begonnen. Von Anfang an war klar, dass wir eine Location bauen wollen, die tageslichttauglich sein muss (also keine dunkle Disco, die nur bei Schwarzlicht gut aussieht) und jeder Art von Veranstaltung gerecht wird. Mit dem jugendlichen Gedanken, wie man sich eine perfekte Party vorstellt, sind wir an die Sache herangegangen: Sturmfreie Bude in der Villa deines besten Freundes. Alle Freunde einladen und dort die fetteste Party deines Lebens feiern. Den Pool, der in unserem Traum auch noch vorkam, mussten wir uns leider abschminken – hier stehen zu viele alte Kastanien, dessen Blätter im Herbst jetzt schon eine Herausforderung sind. Das wäre mit einem Pool der reinste Horror.

Mit ursprünglich kleinem Budget war die Idee, die Villa im Berliner Shabby Chic zum Leben zu erwecken und so wenig wie möglich zu sanieren. Doch schnell wurde uns klar – wir können keine halben Sachen und sind letztendlich in die Vollen gegangen. Am Ende ist es dann alles ein bisschen „ausgeartet“ – Sanierung, Interieur, Ausstattung und letztendlich auch das Budget haben wir dann bis zum letzten ausgereizt und uns damit schon ein kleines Denkmal gesetzt – worauf wir natürlich auch ein bisschen stolz sind. Denn gerade vor und auch noch während der Sanierung gab es zahlreiche Freunde, Bekannte und auch heutige Geschäftspartner die uns gesagt haben – wow, tolle Idee, tolles Konzept…..ABER!!! Habt ihr euch das gut überlegt? Damit werdet ihr doch nie fertig! Seit ihr sicher, dass ihr so was in Duisburg Rheinhausen machen möchtet? Übernehmt ihr euch da nicht? Das ist doch eine Lebensaufgabe! und so weiter, und so weiter….
Wir haben uns aber nicht von unserem Ziel, unserer Vision eines fetten Wohnhauses, einer dicken Villa mit riesigem Parkgelände, in dem selbst Nachts Open Air Partys steigen können, abbringen lassen und heute stehen wir mitten drin. 3 1/2 Jahre hat die Sanierung letztlich gedauert und wir sind natürlich immer wieder an unsere Grenzen gestoßen, aber wie man sehen kann, haben wir unsere Kritiker Lügen gestraft. Heute können wir sagen, dass es richtig war, unserem Traum gefolgt zu sein und alle Probleme aus dem Weg geräumt zu haben. Dabei ging es natürlich nicht darum, irgendwem etwas zu beweisen – wir hatten einen Traum und den haben wir uns erfüllt. Jetzt leben wir ihn.

Was macht die Location aus und welches Event kannst du besonders empfehlen? Was findest du an der Location am schönsten?

DH: Das Luft & Liebe Festival ist mit Sicherheit die Veranstaltung, die ich besonders empfehlen kann. Das ist unser Baby und dafür nehmen wir uns die meiste Zeit, können uns kreativ ausleben und last but not least haben wir hierfür auch das größte Budget zur Verfügung. Es soll jedes Mal einfach P-E-R-F-E-K-T werden. Das treibt uns an! Die Location selbst macht ganz klar aus, dass sie so einzigartig ist. Wer stellt heute noch seine Hütte zur Verfügung, um da eine große Party steigen zu lassen? So bekloppt wie wir früher waren ist ja heute keiner mehr – zurecht. Ich habe da als Jugendlicher auch Lehrgeld bezahlen müssen. Aus meiner Sicht ist es das Gefühl, dass du hast, wenn du in die Villa kommst. Der Charme eines Wohnhauses ist erhalten geblieben, obwohl sie natürlich für Veranstaltungszwecke umgebaut wurde. Egal ob es die Bars oder die Möbel sind – die Gäste haben den Eindruck, dass alles schon immer so war –  es wirkt nicht gemacht oder aufgesetzt. Schwere Kronleuchter an den Decken, große Geweihe an den Wänden, Chesterfield Sofas als Sitzgelegenheiten, prunkvolle Tapeten, Holzverkleidungen, ein lodernder Kamin – und direkt daneben steht ein DJ und lässt es richtig krachen. Unser Ziel war es, die Atmosphäre einer privaten Hausparty zu erschaffen – und das gelingt uns mit dieser Location spielend. Für das Wohlbefinden unserer Gäste sorgt meine Partnerin Linh Kieu, die einfach DAS gastronomische Händchen hat. Mit ihrer Art Mitarbeiter zu führen und Gäste zu bewirten verschmelzen Ambiente und Service zu einer perfekten Symbiose. Ein weiteres, vielleicht sogar DAS Highlight sind die Open Air Partys im Sommer. Da die Villa auf Grund seiner Geschichte mitten in einem Industriegebiet gebaut wurde, haben wir die Möglichkeit 24 Stunden, 7 Tage die Woche draußen an der frischen Luft zu feiern. Auf Grund der Exklusivität beschränken wir das natürlich auf wenige Tage im Jahr, aber dann geben wir dafür richtig Gas. Das Gefühl in einer milden Sommernacht unter den beleuchteten Baumkronen eine Gartenparty zu feiern ist einfach unbeschreiblich. Sowas hast du ja nicht mal auf Ibiza, wo du nachts zum feiern in die klimatisierten Clubs gehen musst. So fängt bei uns ein Festival Mittags an und endet erst am nächsten Morgen – um 22 Uhr ist bei uns noch lange nicht Schluss.
Auch hier präferieren wir bei den meisten Veranstaltungen das Authentische. Statt auf riesige LED Bühnen zu setzten, wollen wir auch hier eher den Vibe einer privaten Gartenparty schaffen. Da steht der DJ eher in einem Holzpavillon währen drumherum Lampions aufgehängt sind und nicht auf einer 40 Meter großen Bühne, auf der der Künstler völlig austauschbar ist. Natürlich verzichten wir nicht auf Special Effects wie Konfetti Kanonen, Feuerwerfer, Laser, CO2 Kanonen etc.!
Am Ende zählt immer die Liebe zum Detail. Man spürt einfach die Liebe, die wir hier herein gesteckt haben. Als „Schlecht-Wetter-Option“ können wir immer auf unser 1000 qm großes Palastzelt zurückgreifen, so dass bei uns kein Festival ausfallen oder verschoben werden muss.

Bei euren Open-airs sind ja immer viele namhafte Künstler vertreten. Auf welche Acts und welche Veranstaltungen können wir uns dieses Jahr ganz besonders freuen?

DH: Bei dem, was in diesem Jahr alles kommt, ist es natürlich extrem schwierig, einzelne Namen herauszupicken. Natürlich ist es immer unser Ziel, uns von Jahr zu Jahr zu steigern. In diesem Jahr haben wir uns auch schon das eine oder andere Mal gefragt, ob wir nicht etwas über das Ziel hinausgeschossen sind? Auch wenn inzwischen noch vier weitere Villen und auch die Gärten dazwischen hinzugekommen sind, sind wir platzmäßig natürlich beschränkt. Und da wir selber Partyliebhaber sind, achten wir auch immer darauf, dass sich die Gäste noch entspannt bewegen können. Wir versuchen immer alles so zu gestalten, dass wir uns als Gast auch wohlfühlen würden. Zurück zu den Namen. Besonders gespannt bin ich auf Faithless (DJ Set) – vor 15 Jahren war ich mal auf einem Konzert, da hat die Halle bei den Hymnen einfach nur gebebt. Wenn ich mir vorstelle, dass hier Open Air „God is a DJ“ oder „Insomnia“ in den Garten schallt, bekomme ich jetzt schon Gänsehaut. Ansonsten wird mit DJ Koze, Extrawelt, Claptone, Aka Aka, Moguai, Format B:, Feder, Moonbootica, Miss Kittin, Gestört Aber Geil, Westbam, Burak Yeter, Junge Junge, Watermät, Lexer uvm. das Who is Who der elektronischen Musik bei verschiedenen Formaten am Start sein.

Was war bislang eure wildeste Party?

DH: Die Luft & Liebe Festivals sind mir natürlich alle noch in guter Erinnerung. Am besten ist es aber am Ende doch immer, wenn irgendetwas schief läuft. 2013 hat es da im August zwischendurch wie aus Eimern geregnet, aber keiner ist nach Hause gegangen. Anfangs haben sich die Leute noch untergestellt, aber als erst mal alle nass waren, haben wir gemeinsam im Regen getanzt und es war absoluter Ausnahmezustand. Das After-Video schaue ich mir heute noch gerne an. Das war einfach ein geiler Tag und eine geile Nacht. Aber auch kleinere Veranstaltungen haben hier im Garten ihren Reiz. Da nutzen wir dann nur den oberen Teil der Terrasse und es wird etwas heimeliger. Mit ein paar hundert Leuten haben wir hier da schon unvergessliche Nächte verbracht. Wenn wir die Villa dann auch noch geöffnet haben, ist das hier wie auf einem Abenteuer Spielplatz und es gibt überall etwas zu entdecken. Ob du auf der Terrasse mit deinen Freunden ein Bier trinkst, im Garten so richtig abfeierst, auf einem der Betten chillst oder dir von der 1. Etage das Treiben entspannt anschaust – die Villa Rheinperle ist unglaublich facettenreich und trotzdem fühlt es sich an wie zu Hause. Nur muss keiner ans Aufräumen am Tag danach denken.

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